In Kooperation mit dem Weser-Kurier erarbeiteten Schüler des Kippenberg-Gymnasiums Zeitungsartikel zum U-Boot Bunker Valentin.

Fluchtversuche und Befreiung

Die Arbeitslager des U-Boot Bunkers Valentin

Bremen-Farge. „Hier mussten die Gefangenen unter unmenschlichen Bedingungen arbeiten." Der Guide Marcus Meyer richtet seinen Blick in Richtung der ehemaligen Arbeitsstätte der Kriegsgefangenen. Er zeigt uns die Ruinen des Konzentrationslagers (KZ) Farge und des U-Boot-Bunkers „Valentin".

Im Zweiten Weltkrieg kamen Häftlinge in dieses KZ und sollten dort und in dessen Umgebung als Zwangsarbeiter dienen. Ihre Hauptaufgabe war die Errichtung des U-Boot-Bunkers „Valentin". Durch ihn erhoffte sich Hitler, den Krieg noch zu gewinnen.

Dieser dunkle Ort und der riesige graue Bunker drücken auf die Stimmung. 553 Todesopfer sind bekannt, doch hier und im KZ sollen wesentlich mehr Leute umgekommen sein. Insgesamt sogar 2000 bis 3000 Männer.

 

Gewagt - nicht gewonnen

Wir fragen Marcus Meyer, ob es Fluchtversuche gegeben hat. „Ja, schon. Aber die Erfolgsquote war sehr gering. Denn in dem Moment, wo du entdeckt wirst, hast du schon verloren." Doch wieso haben nicht mehr Gefangene die Flucht gewagt? Um das zu verstehen, muss man wissen, dass die Flucht selbst nach einem geglückten Ausbruch noch lange nicht gelungen war. Denn man musste sich irgendwo verstecken, was häufig bei Bauern versucht wurde. Die waren dann allerdings vor eine schwere Entscheidung gestellt: „Entweder verstecke ich den Häftling und mache mich damit strafbar, oder ich liefere ihn am nächsten SS-Stützpunkt aus."

 

Viele Bauern wählten einen Kompromiss: Sie gaben den Sträflingen zu essen und scheuchten sie dann weg. Also stellte die Unterkunft nach der Flucht weiter ein Problem dar. Aus Angst, verraten beziehungsweise erwischt zu werden, blieben die meisten Ge
fangenen im Lager. In dem 1943 erbauten Konzentrationslager in Bremen-Farge wurden um die 3000 Männer untergebracht. Sie hausten in einem Treibstoffbunker, der vier Kilometer vom Bunker entfernt lag.

Im Lager herrschten schlechte Bedingungen, weshalb viele Häftlinge an Unterernährung, Krankheit oder Erschöpfung starben. Trotzdem weiß man nichts von Aufständen. Wahrscheinlich beherrschte die Angst die Arbeiter.

Am U-Boot-Bunker „Valentin" arbeiteten 10000 oder mehr Leute, hauptsächlich Franzosen, Polen und Gefangene aus der Sowjetunion. In dem Bunker sollten in kurzer Zeit U-Boote entstehen, die von dort direkt in die Weser hätten gelangen und im Krieg eingesetzt werden können.
„Jetzt komme ich zur Befreiung des KZ." Marcus Meyer fährt fort.
Im April 1945 kamen die Briten hierher. Als das klar war, wurden die Häftlinge ins Kriegsgefangenenlager Sandbostel gebracht. Kämpfe zwischen Befreiern und Wächtern gab es nicht, denn aufgrund deren Übermacht hatten die Bewacher keine Chance und sind einfach gegangen.
Kurz vor der Befreiung wurden noch Gefangene aus anderen Lagern nach Farge gebracht, sodass es ziemlich überfüllt war - zeitweise mit über 5000 Leuten, Nach dem Krieg wurde das KZ gesprengt. Also gibt es nur noch wenige Überbleibsel.
Nach starken Beschädigungen am Bunker war die Arbeit im März 1945 eingestellt worden. Von Schrotthändlern wurde alles Brauchbare aus ihm herausgenommen. Ab 1946 wurde er als Abwurfziel der Royal Air Force und der US Air Force genutzt.
Die Sprengung wurde nie durchgesetzt (vgl. dazu Bericht oben links) Geplant war auch, den Bunker durch Aufschüttungen in eine Parklandschaft zu verwandeln, doch auch das wurde nie verwirklicht. Seit 1960 benutzte ihn die Marine als Depot. Ein Teil von ihm ist restauriert worden. Später wurden hier einige Theaterstücke vorgeführt.
Wir sind am Ende der Führung angelangt und der Guide sagt noch einen abschließenden Satz, der uns alle berührt: „Die schrecklichen Taten, die hier begangen worden sind, sollten niemals vergessen werden."

Aus der Klasse 7b des Kippenberg-Gymnasiums in Schwachhausen von Robert Künzel, Caspar Meyerhof, Lukas Drömann, Lennard Frey und Finn Grahle

Bunker-Nutzung nach dem Krieg

Bremen-Nord. Nach Freigabe der Alliierten Ende Mai 1945 begannen Arbeiter der beteiligten Firmen, den Bunker zu demontieren. Über die Sprengung des Bunkers wurde viel diskutiert, doch - so die Überlegungen - sie würde zu gefährlich sein, da sie vielleicht ein künstliches Erdbeben auslösen würde, welches einen großen Schaden anrichten könnte.
Später plante der Senat, den Bunker zu einer Parklandschaft umzubauen. Dazu hätte der Bunker mit Schutt begraben werden müssen. Das Projekt scheiterte an den enormen Kosten, die dabei entstanden wären. 1957 hatte man die Idee, den Bunker in ein Kühlhaus oder einen Atomreaktor umzubauen. Beide Ideen wären zu teuer gewesen. Deswegen wurden sie wieder verworfen.
Bis vor einem Jahr diente der Bunker als Marinedepot für Hubschrauber- und Schiffsteile für die Bundeswehr. Jetzt wird ein Museum aus dem Bunker gebaut, welches vermutlich in circa fünf Jahren fertiggestellt sein wird.
Henrik Wessel, Stefan Lange,
Joris Leimbach, Sebastian Philipp
Und Leo Griesbach
Das Denkmal

Im Jahre 1983 wurde zur Erinnerung an alle KZ-Häftlinge ein Denkmal aufgestellt, das den Namen „Vernichtung durch Arbeit" trägt. Der Entwurf des Künstlers Fritz Stein konnte mit Unterstützung des Bremer Senats und der Farger Bevölkerung ausgeführt werden.

Text & Foto
Anastasia Goryacheva,
Clarissa Alenso, Donjeta Jahai

Ein Tag beim Bunkerbau

Teenager-Vorstellungen zu einer wahren Geschichte

Bremen. Eine wahre Geschichte aus der Zeit des Bunkerbaus beeindruckt so sehr, dass die Teenager vom Kippenberg-Gymnasium sich bildhaft in das Erleben eines damaligen Zwangsarbeiters hineinversetzen können: Es ist mitten in der Nacht, aber es herrscht auch jetzt wie immer viel Betrieb. Bereits seit einigen Stunden bin ich am Arbeiten. Die Betonmaschinen laufen, um mich herum fahren Züge, und der Bunkerbau schreitet immer weiter fort. Ein normaler Tag hier auf der Baustelle in Farge. Zwölf Stunden arbeiten, etwas essen und dann schlafen. Viel Freizeit bleibt da nicht. Höchstens ein bis zwei Stunden, in denen man sich vom Tag erholen kann. Aber auch in dieser Zeit kann man nicht sonderlich viel machen, denn man darf nur in seiner Baracke sitzen, da es draußen zu
gefährlich ist. Drüben sehe ich einen Mann wie blind auf einem an-deren Balken entlang tapsen. Seinen Namen kenne ich nicht, er wohnt ja in einer anderen Baracke. Ich weiß nur, dass bei einer Prügeleinheit seine Brille kaputtgegangen ist, sodass er jetzt sehr schlecht sehen kann. Deshalb ist er von zwei anderen Arbeitern umringt, die ihm verbotenerweise helfen, auf den dünnen Balken hier oben in vielen Metern Höhe entlangzugehen. Das ist ziemlich mutig von ihnen, denn wenn ein Wächter sie erwischen würde, müssten sie schlimme Strafen erleiden. Und ich weiß nicht, ob ich dem blinden Mann helfen würde, wenn ich an der Stelle der beiden wäre!

Paula Bernecker, Marvin Knobbe, Nele Otholt, Manou Schad, Sophia Schnare Und Katharina Zensen
 

Schwerste Arbeit für nichts

Bremen. Was an Erinnerungen ans KZ Farge überliefert ist:
Bremen. Die Gefangenen im Konzentrationslager (KZ) Farge mussten schwerste Arbeit leisten. Sie arbeiteten täglich am gigantischen Bunker Valentin. Ihre Aufgabe war das Fertigstellen der riesigen Anlage. Dort sollten später U-Boote zu Ende gebaut und überprüft werden.
Dafür wurden Kriegsgefangene aus Frankreich, Polen oder der Sowjetunion nach Deutschland geschafft. Für ihre Arbeit, an der viele von ihnen starben, bekamen sie keinen Cent - im Gegenteil: Ihr Alltag war mit Gewalt und Erschöpfung gefüllt. Früh morgens mussten sie aufstehen, viele hatten kein Bett. Dann gab es ihr kärgliches Frühstück, etwa eine Kelle Haferbrei. Nach dieser Mahlzeit wurden die Menschen für ihre Arbeiten eingeteilt. Einige mussten zum Beispiel Eisenstangen schleppen, andere
Beton herstellen. Das war mit viel Husten und oft mit Atemnot verbunden, denn die Betonreste atmete man ein und konnte sie nicht wieder aushusten. So ging es den ganzen Tag. Schlägen konnte man nicht entgehen, denn ob nun die Wärter einfach Lust dazu hatten, oder ob man nicht schnell genug arbeitete:
Man wurde dauernd geschlagen. Nach so einem harten Tag durften die Gefangenen erst sehr spät schlafen gehen. Viele starben an Hunger, oder einfach aus Erschöpfung.
Heute sieht man nur noch den riesigen Bunker, der in den Himmel ragt. An das KZ erinnert nur noch ein kleines Denkmal. U-Boote waren nie in dem Bunker. Arbeit für nichts.

Kian Baumann, Mieke Fink, Maik Scheling, Kutay Coban und David Hellmers-Lopez

   

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