Liebe Gäste,

das Produktionsteam 2011

heißt Sie zur Aufführung des Musicals "Anatevka" herzlich willkommen.

Folgen Sie uns in unser kleines Dorf.

 

 


 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

D E R  H I S T O R I S C H E  H I N T E R G R U N D

Das Musical „Anatevka“ spielt Anfang des 20. Jahrhunderts in dem gleichnamigen russischen Dorf, welches von einer jüdischen Mehrheit bewohnt wird. Charakteristisch für diese Zeitepoche im russischen Zarenreich sind durch die voranschreitende Industrialisierung hervorgerufene soziale Missstände sowie die Vertreibung der Juden.

Russland geriet trotz zahlreicher Industrieproduktionen immer mehr ins Hintertreffen gegenüber den europäischen Großmächten. Dies wurde durch die alleinige Förderung der Industrie in Ballungszentren wie Moskau oder St Petersburg vorangetrieben, was zu einer Vernachlässigung der ländlichen Provinzen führte. Mangelnde Infrastruktur und die Verarmung vieler Bauern und Arbeiter waren die Folge. So kam es 1905 schließlich zur russischen Revolution, die jedoch auf Dauer folgenlos blieb und die Unzufriedenheit im Land weiter verstärkte.

Für diese innenpolitischen Probleme wurde bereits seit über einem Jahrhundert das jüdische Volk verantwortlich gemacht, denn ein Sündenbock wurde gebraucht, um das Volk ruhig zu halten.

Diese Problematik zeichnete sich bereits 1772 ab, als Katharina die Große ghettoähnliche Siedlungsgebiete einrichtete, in welche die jüdische Bevölkerung gedrängt wurde. Die Lebensbedingungen verschlechterten sich zunehmend und auch bezüglich ihres Besitzes sowie der Berufswahl musste sie sich Einschränkungen unterwerfen. Im Jahr 1881 begann mit der Ermordung des Zaren Alexander II. eine Welle antisemitischer Pogrome, da diese Tat fälschlicherweise den Juden zugeschrieben wurde. In den Folgejahren musste das jüdische Volk zahlreiche Anschläge sowie restriktive Gesetze und Einschränkungen hinnehmen. Die Pogrome setzten sich in großer Zahl fort und wurden von der Regierung stillschweigend geduldet und teilweise sogar von der russischen Geheimpolizei unterstützt.  Dies löste eine Flut jüdischer Auswanderungen vor allem in die USA aus, bei der über die Hälfte der Bevölkerung die Siedlungsgebiete verließ. - Hannah Huesmann, Jana Jacobs

D I E  H A N D L U N G

Die Geschichte spielt um 1905 im ukrainischen Dörfchen „Anatevka" am Vorabend der russischen Revolution.

Zu der jüdischen Dorfgemeinschaft gehört Tevje, ein Milchmann, der mit seiner Frau Golde und fünf Töchtern in Armut lebt. Außerdem wird ihr Alltagsleben von antisemitischen Pogromen durch den Zaren bedroht und Tevje vergleicht sich und die Bevölkerung mit einem Fiedler auf dem Dach: „Jeder versucht eine einschmeichelnde Melodie zu spielen, ohne sich dabei das Genick zu brechen." Die Leute versuchen ihre Tradition, die vom jüdischen Glauben bestimmt ist, zu wahren, doch die Zeiten ändern sich, was Tevje an seinen eigenen Töchtern erleben muss.

Als Golde von Jente, der Heiratsvermittlerin, die Nachricht überbracht bekommt, dass sich der verwitwete Fleischer Lazar Wolf für Zeitel, die Älteste, interessiert, freut sie sich über die Aussicht, ihre erste Tochter reich unter die Haube zu bringen. Sie schickt Tevje ins Wirtshaus, wo Lazar bei ihm um Zeitels Hand anhält. Obwohl er den alten Metzger nicht leiden kann, willigt er ein, da er meint, seiner Tochter damit Gutes zu tun. Diese reagiert jedoch mit Entsetzen, denn sie liebt Mottel, den Schneider, mit dem sie schon seit über einem Jahr heimlich verlobt ist. Tevje sieht darin zwar einen Verstoß gegen die Tradition, gibt aber nach, als Mottel ihn um seine Zustimmung für die Hochzeit bittet. Mit Hilfe eines erfundenen Traumes, in dem Goldes verstorbene Großmutter als Gespenst auftritt, überredet Tevje auch seine Frau, den armen Schneider als ihren zukünftigen Schwiegersohn zu akzeptieren.

Das Hochzeitsfest wird aber von randalierenden zaristischen Soldaten brutal unterbrochen. Der Druck auf die Juden nimmt sichtbar zu.

Hodel, die zweitälteste Tochter, verliebt sich in Perchik, einen revolutionären Studenten aus Kiew, den Tevje als Hauslehrer für seine Kinder aufgenommen hat. Bevor dieser die Familie verlässt, um gegen den Zaren zu rebellieren, verloben sich die beiden und stellen Tevje damit vor vollendete Tatsachen. Dieser fühlt sich zwar übergangen, sieht jedoch ein, dass Liebe wichtiger ist als Tradition und gibt ihnen seinen Segen. Perchik wird in Kiew jedoch verhaftet und kommt nach Sibirien in ein Straflager, woraufhin Hodel ihr Elternhaus verlässt, um ihm zu folgen.

Als Chava, die dritte Tochter, ihrem Vater eröffnet, dass sie den nichtjüdischen Russen Fedja liebt und heiraten  will, hat Tevje dafür gar kein Verständnis. Dass die beiden trotzdem hinter dem Rücken der Eltern heiraten, sieht Tevje als hohen Glaubensverrat und verstößt seine Tochter.

Dann trifft das Dorf ein schweres Schicksal: Auf einen Erlass des Zaren hin muss die gesamte jüdische Gemeinschaft Anatevka verlassen.

Tevje, Golde und die beiden jüngsten Töchter verabschieden sich von ihrer Heimat, um ein neues Leben in Amerika zu beginnen. - Caroline Schnelle

 

L I B R E T T O  U N D  M U S I K<

Den Grundstein für das Musical „Anatevka“ legte Scholom Alejchem, einer der größten jiddischen Schriftsteller, der zwischen den Jahren 1894 und 1916 den Roman „Tewje, der Milchmann“ niederschrieb.

Etwa sechzig Jahre später wurde Tewjes Geschichte in abgewandelter Ausführung als Musical „Fiddler on the  Roof“ in Amerika am  22. September 1964 im Imperial Theatre am Broadway uraufgeführt: Es wurde mit großer Begeisterung von den Zuschauern besucht und ein Jahr später mit mehreren „Tony-Awards“ ausgezeichnet-

Dieser Erfolg war den drei Autoren Joseph Stein (Libretto), Sheldon Harnick (Songtexte) und Jerry Bock (Musik) zuzuschreiben.

Joseph Stein war ein US- amerikanischer Dramatiker. Geboren wurde er am 30. Mai 1912. Er entstammte einer polnisch- jüdischen Familie, sodass er sich der jüdischen Tradition und Lebensweise bewusst war und diese in „Anatevka“ vermitteln konnte. Am 24. Oktober 2010 verstarb Joseph Stein im Alter von 98 Jahren.

In der Karriere des us – amerikanischen Komponisten Jerry Bock war „Anatevka“ das erfolgreichste Stück, wofür er u. a. zusammen mit Joseph Stein die Ehre der Aufnahme in die "Theatre Hall of Fame" erwiesen bekam. Bereits 1958 begann er mit dem Lyriker Sheldon Harnick zusammenzuarbeiten, sodass eine bereits aufgebaute Harmonie die Arbeit erleichterte. Die jüdischen Traditionen waren nicht nur auf der Bühne für den Zuschauer sichtbar, sondern wurden durch Jerry Bocks Kompositionen auch auf musikalischem Wege dem Publikum vermittelt. Hierzu bediente er sich jüdischer Musiktechniken, wie z. B. der Verwendung der Pentatonik- Tonleiter. Zusammen mit den typisch folkloristischen Instrumenten, wie der Klarinette, der Mandoline oder des Akkordeons wurde eine Atmosphäre im Saal geschaffen, die die Geschichte von „Tewje“ unterstrich und durch Szenen wie die  „Hochzeitsszene“ die jüdischen Bräuche näherbrachte. Die jüdischen Tänze standen im Kontrast zu den russischen Soldaten, mit ihrem folkloristischen Kolorit und machten das Musical „Anatevka“ zu einer abgerundeten jüdischen Erfolgsgeschichte.Jerry Boch wurde 81 Jahre alt und starb am 2. November 2010. - Merle Rüskamp

 

M I T W I R K E N D E

Rolle Ensemble A Ensemble B
Fiedler auf dem Dach Jannis Rieke Franziska Hartog
Tevje, ein Milchmann Frederik Püffel Nicolai Gonther
Golde, seine Frau Caroline Schnelle Katharina Brilling
Zeitel (1. Tochter) Sophie Tittel Debbie Kaß
Hodel (2. Tochter) Amelie Rex Leonie-Sara Zwirner
Chava (3. Tochter) Anna Conradi Gabriela Piorkowska
Sprintze (4. Tochter) Laura Gielen Alice Boetker
Bielke (5. Tochter) Juliane Kröhn Berfin Aslan
Jente, Heiratsvermittlerin Katrin Mehrtens Kirsten Mehrtens
Oma Zeitel, Goldes Großmutterr Carolin Storch Alina Reder
Perchik, ein Student Benedikt Maeß Oliver Schulz
Lazar Wolf, ein Metzger Dennis Schad Alexander Pfeiffenberger
Mottel Kamzoil, ein Schneider Christian Bratschke Salomo von Legat
Schandel, seine Mutter Carolin Storch Alina Reder
Fedja, ein Russe Max Brockhoff-Lingke Moritz Bahlmann
Motschach, ein Wirt Benedikt Kuipers Benedikt Kuipers
Wachtmeister Cemsid Kiy Fabian Othmerding
Rabbi Richard Blanke Marten Weghöft
1. Russe /Sascha Felix Hannemann Felix Hannemann
2. Russe Benedikt Kuipers Benedikt Kuipers
Mendel, Sohn des Rabbi Peter Dormann Lukas Stadelmann
Nachum, ein Bettler Max Brockhoff-Lingke Moritz Bahlmann
Jussel, ein Hutmacher Peter Dormann Lukas Stadelmann
Eine Frau Antonia Bethke Lea Frenz
Zwei Jungen, höhere Schüler Caspar Vivet/ Julian Lechte Maximilian Mai/ Bennet Biallas
Dorfbewohner Chor Chor

 

O R C H E S T E R

Jannis Rieke, Franziska Hartog, Jakob Kröhn, Saskia Seibert, Simon Pühn, Paul Schnieber, Julie Noltenius, Martha Schnieber, Carlotta Pfannenstiel, Philine Pfannenstiel, Esther Janowsky, Yvonne Huf, Maleika Sasse, Thea Gutberlet, Jasper Seibert, Franziska Drechsel,  Frederik Woebs, Anja Härtel, Jan Nösel, Tobias Mahr, Torsten Helbron, Naira Dehmel, Katharina Relitz, Malin Heinemann, Felix Kuhlmann, Mareike Wolff, Merle Rüskamp, Mareike Veltrup, Denise Knebel, Timo Hilpert, Daniel Tolsdorf, Susanne Sasse

T A N Z

Katharina Zimniak, Lara Bektas, Hannah-Lena Bleis, Leona Hansen, Alena Blotny, Rike Svensson, Rebekka Gärtner, Roxana Münster, Inga Lehne, Nastaran Hosseini, Lara Gebhardt

 

B Ü H N E N B I L D

Monika Appelt, Alina Barkmann, Anna Bringmann, Justyna Czisch, Berit Dorau, Vanessa Ekiert, Svenja Hadeler, Remi Ikbekele, Annette Kalinovich, Marie Kalinovich, Janika Kebser, Lea Kratzert, Anna Luhanin, Anna Metzentin, Valeria Orlova, Friederike Räbiger, Eva-Maria Roscher, Maximilian Sander, Celine Schneidewind, Lara Timm

 

Musikalische Leitung: Dorothea Jaspers, Frauke Schubert, Wolfgang Meyer
Einstudierung: Mira Flaspöhler, Klara Landau
Regie: Markus Steinhoff
Regieassistenz: Hanna Balzer, Catalina Gomez, Elena Warrlich
Tanz: Jelena Ditjatkowski
Bühnenbild: Harald Brockhausen
Bauten: Roland Stöckel
Ton und Beleuchtung: Tim Held, Blagoy Grozdanov, Nick Zaccharias
Kostüme: Franziska Bongartz
Programmheft: Ursula Myke

Wir danken sehr herzlich folgenden Personen und Institutionen für ihre freundliche und großzügige Unterstützung:

 

 

Jüdische Gemeinde im Lande Bremen

Herrn Schmid

(Theater Bremen)

Herrn Wilken und seinen Mitarbeitern

 

   

Schwachhauser Heerstr. 62-64, 28209 Bremen