Schülerinnen und Schüler des KIPPENBERG-GYMNASIUMS sind für eine Woche Abgeordnete des Europäischen Parlaments"

Der große und spannende Moment kommt immer erst am Ende der Woche, wenn die Delegationen zur Stimmabgabe aufgerufen werden. Wird die ausgearbeitete Resolution in der Plenarsitzung die Stimmenmehrheit der Abgeordneten erhalten – oder waren alle Mühen und Anstrengungen vergebens?

Im Frühjahr 2009 treffen sich zum zehnten Mal 16 Delegationen aus den 16 deutschen Bundesländern – meist aus deren Landeshauptstadt. Beteiligt sind zurzeit insgesamt 19 Schulen, da z.T. mehrere Schulen eines Landes eine gemeinsame Abordnung stellen. Dies gilt auch für Bremen, wo das Kippenberg-Gymnasium mit dem Gymnasium an der Herrmann-Böse-Straße zusammenarbeitet.
In den ersten beiden Veranstaltungen (MEP1 und MEP2 in den Jahren 2000 und 2001) traf man sich noch in Bonn, und die Sitzungen fanden statt im alten Bundesrat bzw. im Alten Wasserwerk des Deutschen Bundestages. Seit 2002 ist Berlin der Veranstaltungsort.Die große Begrüßung findet statt im Bundespresseamt. Dort stellen sich die Delegationen vor: Ihre Schule, ihr Bundesland und den EU-Staat, dessen Interessen sie in den nächsten Tagen vertreten sollen. Die Beiträge sind oft äußerst unterhaltsam, und die heimischen Dialekte – vom bayrischen bis zum sächsischen – spielen dabei oft eine ganz besondere Rolle.
Beim Modell Europaparlament handelt es sich um eine simulierte EU-Parlamentsdebatte. Jeder Delegation wurde im Vorfeld ein europäisches Land zugeordnet. So waren wir Kippenberger schon für jeweils eine Woche Luxemburger, Griechen, Finnen - und im letzten Jahr Rumänen.

Jeder der 8 Schüler einer Delegation bereitet sich – meist in einer kleinen AG – auf eine der 8 vorgegebenen Fragen vor. Diese 8 Themenbereiche beziehen sich auf Probleme und Aufgabenbereiche europäischer Politik, wie z.B. Migration, Verbraucherschutz, Sicherheitspolitik, Umweltfragen, Kultur oder soziale Angelegenheiten.
In 8 Ausschüssen werden dann in Berlin diese Themen diskutiert. Bei diesen Ausschusssitzungen sind die Schüler und Schülerinnen Gast in den Räumlichkeiten einiger deutscher Landesvertretungen. in diesen Gremien zeigt sich dann für die Beteiligten das große Problem der politischen Arbeit. Bevor sich die 16 Delegierten nach 2 Tagen auf eine gemeinsame Resolution geeinigt haben, ist in den Ausschüssen um jeden (operativen) Satz und um jede Formulierung heftig gerungen worden. Allianzen werden geschmiedet, Kompromisse angestrebt.

Dann – am Ende der Woche - im Plenarsaal des Deutschen Bundesrates, sitzen die Kippenberg- und Herrmann-Böse-Schüler auf den Plätzen der Bremischen Bundesratsdelegierten und geben, z.B. als Finnen oder Franzosen, ihre Ja- oder Nein-Stimmen zu den einzelnen Resolutionen ab.
So manchen hat da längst der MEP-Virus gepackt. Selbst in den Abend- und Nachtstunden wird engagiert weiterdiskutiert. Man regt sich auf über die nicht-kompromissbereiten "Engländer", schmiedet einen Pakt mit "Belgien" und findet, dass die Polen aus Wiesbaden ganz besonders gut vorbereitet sind. In der Delegationssitzung vor dem Plenum muss dann beraten werden, ob man - als Rumäne z.B. – der ausgearbeiteten Resolution – z.B. über geplante Maßnahmen zum Verbraucherschutz - zustimmen kann oder nicht. Sollen noch Änderungsanträge gestellt werden? Wer würde, um die Abgeordneten umzustimmen, eventuell eine Gegenrede zu dieser Resolution halten wollen?
Hier zeigt sich spätestens, wer Interesse hat an einer guten Beurteilung durch die Ausschussvorsitzenden und in der MEP-Hierarchie Aufstiegsambitionen hegt: Zum Beispiel beim nächsten MEP als AV oder später vielleicht sogar als einer der jeweils 3 MEP –Präsidenten eingesetzt zu werden. Besonders reizvoll ist für viele eine Teilnahme am MEP-International. Diese Treffen fanden in den letzten Jahren – übrigens mit erfolgreicher Teilnahme nominierter Kippenberg-Schüler – in Wien, Kopenhagen, Rom, Helsinki, Stockholm, und St.Petersburg statt. Hier ist die Konferenzsprache dann Englisch, und die Deutschen vertreten dort natürlich dann die deutschen Interessen.

So mancher der Teilnehmer geht nicht nur mit gewonnenen Kenntnissen über europäische Länder und deren Probleme bei ihrer Zusammenarbeit, sondern auch mit einem gesteigerten Selbstvertrauen aus dieser Veranstaltung. Hat man doch plötzlich Dinge getan, die man sich vorher niemals zugetraut hätte: Engagiert bei der Ausarbeitung der Resolution mit guten Beiträgen mitgearbeitet, allein am Rednerpult des Bundesrates die Resolution erläutert und Fragen dazu aus dem Plenum aus dem Stehgreif beantwortet - oder sogar ganz spontan auf eine Gegenrede mit einer Verteidigungsrede reagiert.
Das MEP in Berlin endet immer mit einer Party – und dies endlich wieder im normalen Outfit. An das Tragen der formellen Kleidung (Anzug, Schlips…) hatte man sich zwar schnell gewöhnt, und sogar die Benutzung der etwas steifen Sprachfloskeln fiel den meisten zum Schluss nicht mehr schwer. Besser feiert es sich aber sicher in Zivil!

Am nächsten Morgen fällt der Abschied vielen sichtbar schwer, haben sich in der Woche doch zahlreiche neue Kontakte und oft sogar Freundschaften ergeben. Ganz nebenbei hat die enge Zusammenarbeit mit Gleichaltrigen aus 15 recht unterschiedlichen Regionen Deutschlands sicherlich auch dazu beigetragen, das eine oder andere Vorurteil abzubauen.
Zirka 20 bis 25 der insgesamt 128 Delegierten dürfen jetzt hoffen, für eine internationale MEP-Veranstaltung oder als AV nominiert zu werden.



verantwortlich: D. Harrie
weitere Informationen und Eindrücke unter
www.mep-germany.de

   

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